
Wie der Jazz nach Deutschland kam
- Di. 22. September 2026 | 19:30 Uhr
- Ort: Max-Planck-Gymnasium, Aula
- Eintritt: frei
- Veranstalter: Olaf Schönborn
Am 22.09. begibt sich der Vortrag „Wie der Jazz nach Deutschland kam“ auf eine musikalische und gesellschaftliche Spurensuche durch die wilden Zwanzigerjahre und weit darüber hinaus.
Denn Jazz war nie nur Musik, Jazz war Aufbruch, Provokation und ein Echo tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen.
Der Abend erzählt davon, wie der Jazz nach dem Ersten Weltkrieg nach Europa gelangte, warum ausgerechnet Paris zunächst zum Zentrum der neuen Klangsprache wurde und wie sich die bis dahin ungekannten Rhythmen langsam auch in Deutschland ausbreiteten. Mit Hörbeispielen, persönlichen Geschichten und historischen Schlaglichtern führt der Vortrag zu den ersten – heute oft vergessenen – deutschen Jazzpionieren wie dem Klarinettisten und Bandleader Eric Borchard und hinein in die erste deutsche Jazzmetropole Berlin.
Zwischen politischer Unsicherheit, Hyperinflation und den neuen Freiheiten der Weimarer Republik entstand dort ein kultureller Ausnahmezustand voller Sehnsucht nach Unterhaltung, Exzess und Moderne. Ein besonderer Moment dieser Zeit war Josephine Bakers legendärer Auftritt mit Sidney Bechet in Berlin 1926 – ein Abend, der nicht nur Literaten, Musiker und Komponisten begeisterte, sondern auch den jungen Alfred Löw nachhaltig prägte. Später floh er vor den Nationalsozialisten in die USA und gründete dort unter dem Namen Alfred Lion das weltberühmte Jazzlabel Blue Note Records.
Der Vortrag schlägt schließlich den Bogen in unsere Region: zum ersten Jazz-Konservatorium Deutschlands in Frankfurt, zur Verfolgung von Jazzmusiker*innen während der Naziherrschaft, aber auch zum enormen Einfluss amerikanischer Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg rund um Mannheim und Ludwigshafen. So entsteht ein ebenso unterhaltsamer wie bewegender Abend über Musik, Zeitgeschichte und die Frage, warum der Jazz bis heute nachwirkt.
Vortrag: Olaf Schönborn
Live Musik: Daniel Prandl (Piano) und Olaf Schönborn (Saxophon)